Troja

 

 

 

 

 

"I had never seen so many people on a film set, it was like a military operation ... A lot of the film is taken up with the battles and warfare, about
60% is devoted to the battlefield. But it's also a story of relationships. It's about identity and responsibility between men and women, it's not just about brutality."

Sean Bean über "Troja", 2004

Zitat
Quelle

"TROY STORY IS GOOD FOR SEAN" - aus: "Sheffield Telegraph" vom 21 Mai 2004 Fundort: Internet www.compleatseanbean.com, rg 11. Dezember 2004


Das hat Wolfgang Petersen perfekt eingefangen. Vielleicht braucht es heutzutage Hollywood, um überhaupt einen Film machen zu können, der die Wucht und Großartigkeit eines Stoffes wie der "Illias" umsetzt.

Der Film beginnt mit Achilles, der uns gleich richtig vorgestellt wird: Dummerweise hat er den Beginn der Schlacht verschlafen, nackend, mit zwei Schönen an seiner Seite. Doch was ein echter Halbgott ist, schmeißt sich halt schnell in seine Rüstung, eilt zum Kampfplatz, verweigert dann fast den Zweikampf, weil Agammemnon meint, eine blöde Bemerkung machen zu müssen, und besiegt dann gleich beim ersten Streich den hünenhaften Gegner.

Brad Pitt spielt diesen überlegenen Krieger mit kalter Gleichgültigkeit. Kaum je läßt dieser Achilles hinter der schönen Oberfläche irgendein Gefühl erkennen. Das fand ich ziemlich klug angelegt, denn schließlich ist Achilles ein Halbgott, angeblich unverwundbar und der größte Kämpfer unter den Griechen. Achilles braucht keine Bestätigung und er hat schon alles erkämpft, was es so gibt. Auch sein Zorn ist ein kalter Zorn. Desto brutaler wirken seine Aktionen, die in ihrer Roheit kaum zu überbieten sind. Und noch etwas: Achilles macht sich und uns nichts vor. Er weiß, was er ist, und wie er ist, und so handelt er auch, im Guten wie im Schlechten.

Bei den Menschen, die er mag, geht er genauso radikal vor. Sein geliebter Cousin Patroklos lernt von ihm zwar alles, was zum Kämpfen gehört, aber in die Schlacht läßt er ihn nicht ziehen. Als er später auf Briseis trifft, versucht er sie um jeden Preis zu schützen und nur Briseis selbst, die nicht möchte, das ihretwegen noch mehr Blut vergossen wird, kann ihn davon abhalten, gegen Agammenon und seine Helfer vorzugehen.

Ganz im Gegensatz dazu steht Odysseus, der kluge, tapfere, redegewandte König von Ithaka. Auch er ist ein großer Kämpfer, aber weiß doch, dass es manchmal die Klugheit gebietet, sich zurückzuhalten und das die Menschen nunmal so sind wie sie sind. Wo Achilles hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint, nimmt Sean Beans Odysseus lebhaften Anteil an dem Leben und den Schicksalen seiner Kampfgefährten. Trotzdem ist er auf seine Art ebenso ehrlich mit sich selbst, wie Achilles. Er ist sich über seine eigenen Motive, die ihn zum Handeln antreiben, ebenso im Klaren, wie über die der Anderen.

Wie üblich hat Sean Bean eine ganz klare Konzeption dieses Odysseus in seinem Kopf. Und wie auch schon in dem Thriller "Sag' kein Wort" gibt dies seiner Filmfigur eine höchst interessante Individualität. Ehrlich gesagt bin ich immer noch erschüttert, wie genau Sean Bean diesen Odysseus getroffen hat: So, ja genau so, hatte ich ihn mir immer vorgestellt! Kein sprücheklopfender Actionheld, sondern ein tapferer Mann voller Klugheit, der wohlüberlegt spricht und wenn notwendig schnell und effektiv handelt.
  Es ist Odysseus, der mit der heiklen Mission zu Achilles geschickt wird, ihn für die Teilnahme am Krieg gegen Troja zu gewinnen. Bisher haben wir gesehen, wie wenig sich Achilles um die anderen griechischen Könige schert, Agammemnon verachtet er sogar offen. Als sich jedoch Achilles und Odysseus treffen, wird sofort klar, dass Odysseus von Achilles respektiert wird. Und, geschickt wie Odysseus ist, gelingt es ihm, den einen Grund zu finden, der Achilles reizen könnte, doch wieder in den Kampf zu ziehen: Das die schöne Helena vom trojanischen Prinzen Paris geraubt wurde, ist ihm vollkommen egal. Auch, dass hier erstmals eine gemeinsame Nation vereint gegen Troja vorgeht, ist dem Einzelgänger Achilles nichts wert. Doch es gibt noch etwas: Die Kämpfer in diesem großen Krieg werden unvergessen bleiben. Nur kurz blickt Achilles auf, und Odysseus, der auch weiß, wann er schweigen muß, geht.
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Bildherkünfte:

Hintergrundbild: PR-Bild von der offiziellen homepage www.troymovie.com

Bild oben links: Bildvorlage von Cinematrix

  rg/18. Dezember 2004