| Wolfgang Petersen, Jahrgang 1941, bringt drei interessante Voraussetzungen für die Verfilmung des "Troja"-Stoffes mit: Als Schüler ging er auf das humanistische Gymnasium (also das "echte"!!). Bekanntlich kommt hier keiner ohne nähere Beschäftigung mit den altgriechischen Dichtungen der Ilias und Odyssee davon. |
"...Ich habe an einem humanistischen Gymnasium Abitur gemacht. Da haben wir die Ilias im Originaltext gelesen." Zitat
aus: Die Welt, 06.01.2003 |
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| Außerdem zeigte schon sein Regiewerk in Deutschland, dass er es versteht, uns die menschlichen Seiten seiner Film-Figuren so nah zu bringen, dass sie unvergeßlich bleiben. |
z.B. diese Highlights: Tatort
- Jagdrevier
(1973)
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Gleichzeitig versteht es Petersen, eine Geschichte so spannend zu inszenieren, wie es im Kino nur möglich ist. Auch das große "Spektakel" mit Feuerzauber und allem Drum und Dran beherrscht er, wie vor allem seine Hollywood-Filme überzeugend darlegen, meisterhaft. |
z.B. Tod
im Spiegel
(1991) |
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Was wird also herauskommen, wenn dieser Regisseur mit einem Schauspieler wie Sean Bean zusammentrifft, der seinerseits oft in Actionfilmen zu sehen ist, dabei stets, auch in Bösewichtrollen, Menschen darstellt und immer die Beweggründe seiner Film-Persönlichkeiten klar zu machen versteht? Leider müssen wir noch bis zum 13. Mai 2004 warten, bis unsere Neugier endlich gestillt wird! |
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rg/23.
März 2004
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Artikel vom 06.01.2003 Die Welt
Die Ilias mit homerischem Hoffnungsschimmer
Ein Interview mit dem Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen über sein
neuestes Projekt
Regisseur Wolfgang Petersen wird im April dieses Jahres mit der
Verfilmung des Ilias-Stoffes beginnen. Im Gespräch mit Rüdiger Sturm
erzählt er, wie und warum er dem Geist Homers treu bleiben möchte.
DIE WELT: Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus.
Welches
Werk der Weltliteratur beginnt mit diesem Satz?
Wolfgang Petersen: Na hören Sie mal. Ich habe an einem humanistischen
Gymnasium Abitur gemacht. Da haben wir die Ilias im Originaltext
gelesen.
DIE WELT: Kann man so eine Geschichte überhaupt verfilmen?
Petersen: Dem Drehbuchautor David Benioff ist es wunderbar gelungen,
diesen Stoff so zu komprimieren, dass die Ilias im großen
und ganzen
erhalten bleibt. Natürlich mussten bestimmte Dinge gestrichen werden.
Zum Beispiel treten bei uns keine Götter in Person auf. Das wäre aus
heutiger Sicht auch ziemlich lächerlich. Aber der Film wird rund
zweidreiviertel Stunden lang werden. Da lässt sich viel erzählen.
DIE WELT: Und dafür sind Sie als Europäer eher geeignet?
Petersen: Ich glaube schon. Wir wissen doch mehr über Homers Werke als
der Durchschnittsamerikaner. Deshalb war es ganz logisch, dass Warner
Bros. mir dieses Projekt angeboten hat.
DIE WELT: Warum haben Sie angenommen? Aus Pennäler-Nostalgie?
Petersen: Von wegen. Die Griechischstunden waren weiß Gott nicht immer
schön. Aber im Ernst: Das ist der erste Hollywood-Film in all den
Jahren, der an die Dimension des Boots heranreicht.
DIE WELT: Das ist das wahre Vorbild für Ihren antiken Kriegsfilm?
Petersen: Es gibt schon noch andere. Vor kurzem haben David Benioff
und ich uns eine 70mm Kopie von Lawrence von Arabien angesehen.
Es
war richtiger Ansporn, diese Bildsprache zu erleben; heute ist ja so
etwas eine Rarität. David Lean hat seine Szenerien so virtuos benutzt,
um seiner Geschichte epischen Atem zu geben. Und wir haben in Marokko,
wo fast die Hälfte des Filmes entsteht, ganz ähnliche Landschaften.
DIE WELT: Aber so ein Epos ist nicht ganz billig.
Petersen: Das genaue Budget steht noch nicht, aber der Film wird so
zwischen 130 und 145 Millionen Dollar kosten.
DIE WELT: Damit wird doch Troy zu einem klassischen
Hollywood-Blockbuster?
Petersen: Das stimmt so nicht ganz. Das Geld für den Film, den wir
wahrscheinlich in Der trojanische Krieg umbenennen, stammt zwar
aus
Hollywood, aber er wird komplett in Europa und Nordafrika gedreht. Das
Produktionsteam und meisten meiner kreativen Mitarbeiter sind
Europäer. Und die Geschichte entspricht nicht den Hollywood-Klischees.
DIE WELT: Also haben Sie aus der Ilias keinen Kampf zwischen Gut
und
Böse gemacht?
Petersen: Nein. Die Schwarzweißmalerei eines George W. Bush passt für
diesen Stoff ganz bestimmt nicht. Das hier ist ein erschütterndes
Kriegsdrama, das zeigt, wie die Menschen seit Tausenden von Jahren
zusammenleben. Alle glauben sich im Recht und deshalb schlagen sie
einander die Köpfe ein. Wir erzählen also von der großen Tragik
des
menschlichen Lebens. Sie findet sich symbolisiert im großen Zweikampf
zwischen Achilles und Hektor. Der ist ganz anders als die üblichen
Film-Duelle. Hier empfinden wir für beide Charaktere Sympathien, und
deshalb sind wir umso stärker erschüttert.
DIE WELT: Etwas schwere Kost für das heutige Massenpublikum.
Petersen: Wir wollen ja die Leute nicht deprimieren. Unser Ziel ist
das gleiche wie das der griechischen Tragödien: Die lassen den
Zuschauer das Leid der Welt erleben, damit er einen Reinigungsprozess
durchmacht und aus den tragischen Ereignissen Konsequenzen zieht. Auch
bei uns wird es wohl viele Tränen geben, aber letztendlich ist die
Wirkung doch positiv.
DIE WELT: Drang das Studio nicht auf ein Happy End?
Petersen: Es wollte genau diese Art von großem Drama. Wir bieten nur
eine einzigen Hoffnungsschimmer, aber den finden Sie auch bei Homer.
Und zwar wenn der junge Äneas mit einigen Überlebenden aus den Ruinen
Trojas fortzieht. Wie der Humanist weiß, wird er ja eines Tages Rom
gründen.
DIE WELT: Die Rolle des Achilles haben Sie mit Brad Pitt besetzt.
Warum brauchen Sie einen solchen Superstar für diese Geschichte?
Petersen: Das Studio würde den Film wahrscheinlich nicht machen, wenn
es für die Hauptrolle keinen solchen Namen gäbe. Da investiert es
lieber noch ein paar Millionen mehr, um sich abzusichern.
DIE WELT: Aber wirkt eine Hollywood-Größe im Trojanischen Krieg
nicht
eher wie ein Fremdkörper?
Petersen: Im Gegenteil. Achilles ist als größter Krieger aller
Zeit
doch selbst eine Art Star. Da ist es schon konsequent, ihn mit einem
solchen Schauspieler zu besetzen.
DIE WELT: Ihr Antiken-Epos ist nicht das einzige, das die Branche
plant. Unter anderem sollen Hannibal und Alexander der Große die
Leinwand erobern. Wie erklären Sie sich diese Welle?
Petersen: Der Erfolg von Gladiator ist daran sicher nicht ganz
unschuldig. Aber ich kann es auch emotional verstehen. Diese
Geschichten und Charaktere sind so viel extremer und packender als
unsere graue Wirklichkeit. In so einer Welt möchte man sich eben gerne
verlieren. Darin besteht auch eine wichtige Aufgabe des Filmemachers:
Er entführt uns in eine Welt, in der wir nie zuvor waren.