Priamos

König von Troja  
  Im zweiten Jahr seiner Ausgrabungen in Troja erreichte Schliemann in ca. 18 m Tiefe den gewachsenen Muschelkalkfelsen.
  Vater von Hektor und Paris
Schliemann das Bild des "goldreichen Troja" vor Augen, war 1873, kurz vor Ende der Grabungskampagne, enttäuscht, keine größeren Schätze gefunden zuhaben.  
   
Führer des trojanischen Lagers  
  Überraschend verkündete Schliemann schließlich, auf zahlreiche goldene Gegenstände, Schmuck, usw. gestoßen zu sein.
   

"...Jene fand sie (Helena) daheim:
sie webt' ein Gewand in der Kammer,
Groß und doppelt und hell,
durchwirkt mit mancherlei Kämpfen
Rossebezähmender Troer
und erzumschirmter Achaier,..."
Ilias

Palast des Priamos
Schliemann berichtete, er habe die Goldfunde in der sog. Schicht II (der zweiten Siedlungsschicht vom Erdboden aus gerechnet) im Bereich eines Mauerwerks gemacht. Diese Bebauung interpretierte er als "Palast des Priamos"  
   

Priamos Trauer

um seinen vom zornrasenden Achilles getöteten Sohn Hektor

"...Ringsher saßen die Söhn'
um den traurenden Vater im Vorhof,
Netzend mit Tränen die Kleider;
er selbst der Greis in der Mitte,
Straff, daß die Bildung erschien,
in den Mantel gehüllt, und umher lag
Viel Unrats auf Nacken und Haupt
des herrschenden Greises,
Den er vor Schmerz sich wälzend
mit eigenen Händen emporwarf..."
Ilias
   
   

Folglich wurde der Goldfund von Schliemann der "Schatz des Priamos" genannt.

Schon kurz nach Bekanntgabe des Fundes und der Fundumstände und Schliemanns daraus resulierender Datierung in die Zeit des Priamos wurden von Frank Calvert Zweifel angemeldet.

Seiner Meinung nach war die Fundschicht - Schicht II - ca. 1000 Jahre älter als von Schliemann angenommen.

Schatz des Priamos
   
Priamos Schatz auf Wanderschaft

1873 - Schliemann schmuggelte zunächst den Schatz nach Athen.

1877 - Später wurde er dann jahrelang in London ausgestellt.

1881 - Als in London die Räumlichkeiten für andere Ausstellungen frei werden sollten, kam der Goldfund schließlich nach Berlin, als ewiges Geschenk an das deutsche Vaterland, wo er bis zum 2. Weltkrieg bleiben sollte.

1945 - Nach dem Krieg galt der Schatz als in den Wirren des Krieges verloren.

1992 - Bis, ja bis 1992, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, neue Kunde aus der ehemaligen Sowjetunion kam!

Wie sich herausstellte, hatte nach Kriegsende der Berliner Museumsdirektor den Schatz der roten Armee übergeben, die ihn nach Rußland brachte.

1995 - Konnte das Gold endlich wieder im Rahmen einer Ausstellung in Moskau und St. Petersburg bewundert werden.

2003 - Bis heute streiten sich Deutschland und Rußland über die Herausgabe von Schliemanns "Schatz des Priamos".

   

Heute sind sich die Wissenschaftler einig darüber, dass Frank Calvert mit seiner Datierung recht hatte.

Die Fundschicht wird auf ca. 2500 - 2300 v. Chr. datiert.

Die Zeit des trojanischen Krieges und damit des Priamos wird hingegen ca. 1300 v. Chr. angesetzt.

Tatsächlich kann der Schatz also NICHT der des Priamos sein!

Trotzdem ist der Name, der die abenteuerlichen Fundumstände ebenso wie die phantastische Geschichte der gesamten Entdeckung Trojas und seiner realen Bezüge zu Homers Ilias wiederspiegelt, geblieben.

Vielleicht sind also Legenden doch stärker als trockene Fakten? Vielleicht ist somit auch die Ilias zu recht "die" Geschichte des trojanischen Krieges? Auch wenn er sich in Wirklichkeit möglicherweise ganz anders zugetragen hat? Hat Priamos gelebt? Ist diese Frage nach 3000 Jahren seines Nachruhms überhaupt noch wichtig?

Was bleibt, sind die Geschichten, denn sie erzählen von einer höheren und größeren Wahrheit als die Geschichte.

 

Schatz des Priamos?
Und vielleicht bleibt somit auch Schliemanns Goldfund kraft einer höheren Wahrheit mit Recht tatsächlich der Schatz des Priamos

 

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rg/07. November 2003