Ilias

Die Ilias, geschrieben nach 750 v. Christus von Homer, gilt als der Beginn der griechischen - und damit europäischen - Literatur.

Erst 800 v. Chr. hat sich endgültig die griechische Schrift etabliert. Sie ist aus der phönizischen entstanden und hat als besondere Neuerung Vokale. (Offenbar waren die also notwendig, damit endlich "was G'scheit's" geschrieben werden konnte <g>) Die erste Schrift, die sumerische Keilschrift hat sich bereits seit 3000 v. Chr. entwickelt, doch nach den vorliegenden Zeugnissen wurde sie hauptsächlich für buchhalterische Zwecke erfunden! (Um zum Beispiel festzuhalten, das der König Besitzer von 10 Ochsen ist... oder natürlich auch mehr). Zuerst also kam die Buchhaltung - und dann die Literatur.

Die Ilias berichtet über die 50 entscheidenden Tage des großen, 10 Jahre währenden trojanischen Krieges. Die Grundzüge der Geschichte sind so sehr gemeinsames Erbe unserer europäischen Kultur, das eigentlich jeder - auch der nicht humanistisch ge- oder verbildete - sie nennen kann: Paris, ein attraktiver trojanischer Jüngling, entführt die schöne Helena und bringt sie heim nach Troja. Ihr Ehemann, der Spartaner Menelaos, will sie wieder zurückhaben und zieht, zusammen mit weiteren verbündeten Griechenstämmen, nach Troja. Die Mauern von Troja jedoch halten stand. Nur mit einer List, die Odysseus ersinnt, dem berühmten sprichwörtlichen Trojanischen Pferd, gelingt es den Belagerern, in die Stadt zu kommen und Troja zu zerstören.* Ach ja! und hier zum mitlesen der Beginn der Geschichte:

"Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus, Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte und viel tapfere Seelen der Heldensöhne zum Ais sendete, aber sie selbst zum Raub darstellte den Hunden und dem Gevögel umher. So ward Zeus´ Wille vollendet: Seit dem Tag, als erst durch bitteren Zank sich entzweiten Atreus´ Sohn, der Herrscher des Volks, und der edle Achilleus. Wer hat jene der Götter empört zu feindlichem Hader? Letos Sohn und des Zeus. Denn der, dem Könige zürnend, sandte verderbliche Seuche durchs Heer; und es sanken die Völker..."

 

Na? beginnt doch ganz vielversprechend oder? Wenn man jetzt nicht wüßte, dass das KULTUR in Großbuchstaben ist, könnte man es glatt für den Anfang eines blutdrünstigen Abenteuerromans halten... Kein Wunder, das Hollywood nun zuschlägt! Achilles wird im neuen Film "Troja" von Brad Pitt gespielt.

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rg/07. Oktober 2003

 

* = Und wie's der Deifi so will, ist selbst das NICHT die Geschichte der Ilias. Nein?! Nein!! NEIN!!! Denn...

...Homer wählt eine viel dramatischere, menschlich anrührende Story: Es geht in der Ilias um den Achilles, den größten Helden auf der Seite der Achäer. Zu Beginn der Geschichte, siehe oben, hören wir, dass Achilles sehr zornig ist und sich weigert, weiterzukämpfen! Während die anderen Verbündeten Achäer mit wechselndem Glück Kampf auf Kampf mit den Troern schlagen - schmollt der Held! Wie es dazu kommt, dass er doch wieder in die Schlacht zieht und schließlich den troischen Prinzen Hektor tötet, erfährt man im weiteren Verlauf des dicken Buches oder hier bei den Achilles-FAQs. Faszinierenderweise hat die Geschichte auch ein "Happy End"! Wie das, werdet ihr fragen. Nun ja, die Ilias endet mit einer großmütigen Geste von Achilles, der, bewegt von der Bitte des Vaters, Hektors Leichnam an Priamos zurückgibt, damit er ehrenvoll von den seinen bestattet werden kann...

...Ja, es ist wahr! Zu diesem Zeitpunkt interessiert sich kein Mensch für die Achilles-Ferse und Troja ist noch keineswegs zerstört - und somit kommt auch das Trojanische Pferd, von dem ich so sicher geglaubt habe, es gehört hierher, in der Ilias überhaupt nicht vor! :-)

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rg/02. November 2003