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Macbeth 07. November 2002 - 01. Februar 2003 mit Sean Bean auf der Bühne des Albery Theatre im Londoner West End Eine Fan-Kritik von rg - Seite 3 |
...und weiter muß es gehen... |
| "...He's
here in double trust; First, as I am his kinsman, and his subject,... then, as his host, Who should against his murtherer shut the door." |
<Als es schließlich zum Morden kommen soll, reagiert Macbeth genauso, wie es seine Frau befürchtet hat. Der alte König muß sterben, sonst kann es keinen neuen geben. Doch dieser Macbeth ist ein aufrechter und klardenkender Charakter. Gleich zwei Tabus stehen im nun im Weg. Das erste ist, das er Duncan, seinem Cousin, die Gefolgschaft geschworen hat. Das zweite ist noch größer, etwas archaisches, das auch heute noch verstanden wird. Der König ist sein Gast: "...Er
sollte zweifach sicher sein. Einmal, Und so entschließt sich Macbeth im letzten Moment - es doch nicht zu tun! |
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Sean Bean spielt dies mit einer Unruhe und einem Unbehagen, die Macbeths plötzlichen Gefühlsumschwung absolut glaubwürdig machen. |
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| "...From
this time, Such I account thy love. Art thou affear'd to be the same in
thine own act, and valour, As thou art in desire? Wouldst thou have that
Which thou esteem'st the ornament of life, And live a coward in thine own esteem?" |
Doch Macbeth hat die Rechnung ohne seine formidable Frau gemacht. Der hat er ja auch etwas geschworen. (Und wissen wir nicht alle, wie Ehefrauen sein können, wenn ihnen etwas versprochen wurde? <g>) Und, wie sie es versprochen hatte, "hilft" sie ihrem Mann in dieser schweren Stunde: In gewaltigem Zorn wirft Sie ihm alles an den Kopf, was ihr einfällt: "...Von
nun an weiß ich auch, wie Macbeth liebt. Puh! Ganz schön krass, die Frau, oder?...Also, Macbeth denkt sich jetzt doch, dass er weitermachen muß...(Männer haben's auch nicht immer leicht) |
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Hier war auch etwas, dass ich vorher, bevor ich es gesehen habe, nicht verstanden habe, und das erst Samantha Bond für mich klar gemacht hat: Diese ganze Geschichte, in der Lady Macbeth das über ihr Kind sagt, das so grauenhaft klingt: "...Ich hätt, indem es mir entgegenlächelt', ...ihm den Kopf geschmettert an die Wand, Hätt ichs geschworen, wie du dieses schwurst..." das ist nur etwas, was eine Frau in einem gewaltigen Zorn zu ihrem Ehemann sagt. (Zitat aus der deutschen Übersetzung von Dorothea Tieck) |
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"If we should fail?"
"...Is this a dagger which I see before me..."
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Sean Beans Macbeth, ganz pragmatischer Mann, darauf: "...und wenn's mißlänge?" Aber das läßt sein Weib natürlich nicht als angemessene Antwort gelten. Und
so tut er schließlich, was er tun muß. Oder was er denkt,
was er tun muß. Oder was er denkt, was seine Frau denkt, das er
tun muß... Kein Wunder, das er zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben
anfängt, imaginäre Dolche zu sehen..."... Ist dies ein
Dolch, was ich da vor mir sehe..." |
| Während Herr Bean auf den imaginären Dolch vor seinen Händen sieht, sehen wir den Dolch auch, so selbstverständlich sagt er das, so, wie man eben sagt, was man gerade sieht. Das Shakespeare all das in schönen Versen gefaßt hat, ist hier schon lang vergessen. | |
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Mord
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Doch als Macbeth nach der Tat aus der Kammer des Königs kommt, ist alles mit einem Mal absolut real: Das Blut, das von seinen Händen tropft und auf seinem Hemd verschmiert ist, die zwei ebenfalls blutverschmierten Dolche, die er trägt. Nervös bewegen sich Sean Bean und Samantha Bond über die Bühne. War da ein Geräusch? Irgendwas vergessen? Warum sind die beiden Dolche hier? Und nicht drinnen bei den zwei Wachen, auf die die Tat geschoben werden soll? |
| Beans Macbeth ist unsicher und sich schon bewußt, das seine Tat falsch war. | |
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"Methought,
I hear a voice cry, Sleep no more: |
Wenn man so darüber nachdenkt, dann ist das ein merkwürdig ehrlicher Mörder. Jetzt müßte doch eigentlich ein großer Wortschwall einsetzen, mitdem der Mörder erklärt, warum der alte König beseitigt werden mußte und warum es recht war, er müßte sich rechtfertigen und seine Un-Schuld erklären. Doch hier: nichts von alledem. Es ist, als ob die Augen dieses Mannes zu genau sehen. Keine barmherzige Unschärfe scheint diesen Blick mehr trüben zu können. Es ist, als ob diese Augen nun für immer offenbleiben müßten, um in aller Klarheit zu sehen, was geschehen ist: "...Es
war, als hört' ich rufen: Schlaft nicht mehr!
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Möglicherweise ist es das, weshalb ich dachte, das Herr Bean ideal in dieser Rolle wäre? Ich habe ihn immer für einen ehrlichen Schauspieler gehalten. Einer, der von den Männern, die er darstellen muß, eine bestimmte Sichtweise entwickelt und diese dann auch so spielt, wie er sie sieht. Vielleicht liegt es auch hier begründet, warum Sean Bean diesen Macbeth mit seinem eigenen, warmen, rauhen Yorkshire-Akzent spricht? Gibt es etwas, das ehrlicher ist, als diese ureigenste, ursprünglichste Sprech-Weise? 's is' au' zieml'ch muatig vom Bean Sean, des all's in seiner eig'nen Sprach' z'sag'n... |
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| LADY MACBETH: "What do you mean?" |
Und seine Frau? In dieser Szene wird es grausam klar, das Frau Macbeth nicht so ehrlich, einfach und geradeheraus ist, wie ihr Mann. Sie kann nicht verstehen, von was er spricht. Samantha Bonds Sprache ist kühler und weiter entfernt. Bonds Lady Macbeth leugnet die Schrecklichkeit der Tat vor sich selbst und meint immer noch, sie hilft ihrem geliebten Mann. Macbeth bringt es nicht fertig, noch einmal in die Kammer zurückgehen, um die beiden Tatwaffen den betäubten Wächtern unterzuschieben. Sie tut es für ihn. Ich glaube, das ist der Moment, in dem die beiden beginnen, sich von einander zu entfernen.... Ein entscheidender Augenblick. Von nun an ist der Weg der beiden Macbeths festgelegt. Er wird sie geradewegs in den Untergang führen. |
| Für Deutsche meiner Generation - sozusagen der Nach-Nach-Kriegszeit, blieb die Frage, die wir uns gestellt haben: Warum und Wie konnte der Krieg passieren? Vielleicht gibt dieser Macbeth eine Antwort darauf. Aus einem einfachen Grund, einem simplen Fehlschritt, und wenn die erste schreckliche Tat getan ist, dann folgen die weiteren Ereignisse mit einer zwingenden eigenen Logik. | |
| Bildherkünfte: Bild 1: BigPictures - Bild 2: RexPictures |
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| rg/05.12.2002 | |
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