Macbeth

07. November 2002 - 01. Februar 2003 mit Sean Bean auf der Bühne des Albery Theatre im Londoner West End

Eine Fan-Kritik von rg - Seite 2

 

 

Ein Szenenwechsel.

Wir sehen Lady Macbeth.

 

 

Hinter Ihr ein Bett.

Liebe.

Sie liest in einem Brief, den ihr ihr Liebster geschrieben hat.

Tolle Idee das mit dem Bett! Samantha Bond, eine attraktive, selbstbewußte Lady Macbeth, setzt sich, während sie den Brief in ihrem Schlafzimmer liest, einfach auf's Bett...Genau! Genau das würde eine Frau tun, die endlich von ihrem geliebten Mann hört....

Liebe.

Ihr Mann berichtet ihr, was ihm auf der Heide mit den drei Hexen wiederfahren ist. Das er König werden soll, begeistert die Lady. Dann folgt, ganz ohne Übergang, eine glasklare, genaue und direkte Beschreibung Ihres Mannes:

"...Glamis und Cawdor bist du und sollst sein,
Was dir verheißen ist – Und dennoch fürcht' ich
Dein weichliches Gemüth – Du bist zu sanft
Geartet, um den nächsten Weg zu gehn.
Du bist nicht ohne Ehrgeiz, möchtest gerne
Groß sein, doch dein Gewissen auch bewahren.
Nicht abgeneigt bist du vor ungerechtem
Gewinn; doch widersteht dir's, falsch zu spielen.
Du möchtest gern Das haben, was dir zuruft:
Das muß geschehn, wenn man mich haben will!
Und hast doch nicht die Keckheit, es zu thun!..."

 

...Seht Ihr Herrn Bean? Seht Ihr Ihn? Diese Rolle ist für ihn gemacht, findet ihr nicht? <g>

Liebe.

 

Und Wow! Diese Frau kennt ihren Mann mit allen seinen guten und schwachen Seiten - und liebt ihn wie er ist!

Und Sie ist bereit, ihm zu helfen. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie irgendwann einmal sagt "ICH", "ICH will Königin werden. Nein, sie sagt:

"...O eile! Eile her!
Damit ich meinen Geist in deinen gieße,
Durch meine tapfre Zunge diese Zweifel
Und Furchtgespenster aus dem Felde schlage,
Die dich wegschrecken von dem goldnen Reif,
Womit das Glück dich gern bekrönen möchte..."

Während Sie das sagt, aufrecht auf dem Bett sitzend, reckt sie in Siegespose den Arm empor. Und - es ist alles für ihn...

 

Ist Samantha Bond nicht eine Klasse-Schauspielerin? Man kann die Augen nicht von ihr wenden, während sie so spricht. Großartig, dass Herr Bean hier eine solch ebenbürtige Kollegin in ihr hat.

Liebe.

 

Als Macbeth schließlich heimkommt, tut sie genau, was sie gesagt hat. Sie bestärkt ihn, der immer noch tief durchdrungen von dem ihm angetanen Un-Recht ist, in seinen finsteren Gedanken. Zu diesem Zeitpunkt sind sich beide absolut einig.

Kein Wunder, dass sie im nächsten Moment gierig übereinander herfallen. Das Bett steht ja außerdem noch so praktisch mitten auf der Bühne! :-)

Trautes Familien-Idyll bei den Macbeths (Bild: BigPicture)

seufz! kann's net immer so bleib'n? Nein. Scho' geht's ....weiter >
rg/03.12.2002
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