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Macbeth 07. November 2002 - 01. Februar 2003 mit Sean Bean auf der Bühne des Albery Theatre im Londoner West End Eine Fan-Kritik vonrg
"Macbeth" Sean Bean, Foto von der Internet-Site rexpicures |
Nach langem Hin und Her habe ich es geschafft! Ja, ich war in London, und habe zweimal einen beeindruckenden Sean Bean als Macbeth erlebt. Die erste Aufführung war am Freitag, den 15. November 2002 und die zweite am Samstag, den 16. November 2002. Es war wie ein wilder Albtraum. Die Engländer sagen dazu "Nightmare", und das paßt: eine Nachtmär, in der Sean Bean als zentrale Figur zeigt, wie schnell ein ganz normaler Mann, nicht besonders gut, nicht besonders böse, mit Hilfe seiner Frau, wenn es die Umstände so wollen, zum König, zum Führer, zum Mörder, Mordbrenner und Kriegshetzer werden kann. Zur Vorbereitung habe ich Shakespeares Stück im Original und in einer deutschen Übersetzung gelesen. Anfangs hatte ich etwas Sorge, ob ich die komplexe, altmodische Sprache Shakespeares auch verstehen würde. Diese Angst hätte ich mir sparen können. Ich war erstaunt, wie einfach und flüssig viele Passagen des Stückes zu lesen waren. Es war fast wie in einem Kriminalroman, in dem besonderer Wert auf die psychologische Ergründung der Hauptfiguren Macbeth und seiner Frau, der Lady Macbeth, gelegt wird.
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rg: An dieser Stelle eine kleine "Warnung": Ab hier wird's ernst und wer das Stück selbst sehen möchte, möchte vielleicht nicht so viel darüber wissen, wie im folgenden beschrieben ist. :-) |
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| A wilda Traum, a hurliburli G'schicht' vom Macbeth - und vom Bös'n, des woas Rechtes, und des Rechte des woas Böses ist. |
Ein Traum... Mit einem Donnerschlag beginnt's. ...Drei wunderschöne Frauen bringen einem Krieger seinen Mantel. Eine Schlacht...Kämpfe. Dann ist der Traum vorbei. Der Vorhang hebt sich wirklich, und wir sehen zwei Männer nach der Schlacht: Macbeth, gekleidet in weite lederne Hosen, einer Art Kettenwams und einem ärmellosen knöchellangen Ledermantel. Banquo, der andere Krieger, sieht aus wie ein Partisan. |
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Eine Erinnerung...Sakradi! Was ist das? Diese Ruinen rechts und links... das sieht genauso aus, ich schwör's, wie die im Krieg zerbombte Munitionsfabrik, die in der kleinen Stadt stand, in der ich aufwachsen bin. Da war der Krieg eigentlich schon 15 Jahre vorbei... ...Merkwürdig, das hier zu sehen... Wieviel zerstört worden ist in diesem Krieg...Wieviel zerstört jeder Krieg? Autsch, des geht irgndwohi' tief... gab's wirklich imaginäre Dolche, dann hätt'n 's jetza a paar Kratzer g'macht irg'ndwo mitt'n auf'm Herz'n... |
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| So, wia I des versteh' gehts um Warlords in Kriagszeit'n und woas der Kriag anricht'n kann an Zerstörerisch'm |
Und schon sind wir mittendrin. Shakespeares Stück ist auch so geschrieben: schnell, manchmal fast atemlos. Keine großen Erklärungen, keine sanften Übergänge. Direkt und oft geradezu gnadenlos linear geschiehts. Hier sind die drei Hexen auf der Heide. Sie kommen gleich zum Thema: "...Erste Hexe. Heil dir, Macbeth! Heil dir, Than von Glamis! Zweite Hexe. Heil dir, Macbeth! Heil dir, Than von Cawdor! Dritte Hexe. Heil dir, Macbeth, der einst König sein wird!..." Sean Beans Macbeth, ganz erdverbundener, gradliniger Mann, weiß, dass er Than von Glamis ist, denn sein Vater, der alte Than, ist gestorben. Also, nichts besonders hellseherisches hier! Und den Rest glaubt er nicht. (Würden wir`s? <g>) Doch dann kommen zwei Boten des Königs, und eröffnen ihm, dass der Herrscher ihn, aus Dank für seinen Sieg in der Schlacht, zum Than von Cawdor macht...und dass ist noch nicht alles. Und plötzlich sieht die Sache ganz anders aus: 2 von 3 Vorhersagen sind wahr! Und was ist es dann mit der letzten? Dem... Königstitel? |
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Es macht Spaß, dem Schauspieler Sean Bean bei der Arbeit zuzusehen. Schaut jetzt auf sein Gesicht und seine Körperhaltung! Eben noch entspannte Gelassenheit, nun ganz gespannte Aufmerksamkeit. Die grünen Augen funkeln in einem klaren Licht. |
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"...I have begun to plant thee, and will labour to make thee full of growing..."
"...We will establish our estate upon...
... ... our eldest, Malcom..."
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Ich habe mich gefragt, weshalb diese Aufführung, trotz zum Teil moderner Kostüme, die eigentlich nicht zu einem historischen Stück passen, so tief gewirkt hat. Kann die Antwort sein, dass es sich im Grunde um einfache Dinge und Vorgänge handelt, die auch heute passieren könnten? So ist Macbeth, als er, der strahlende Sieger und Held des Tages, zum König kommt, ganz selbstverständlich in der Mitte der Bühne und wird applaudiert von den Höflingen. Und als der König sagt: "...Sei
mir willkommen, edler, theurer Held. Da richten sich aller Augen, auf der Bühne und im Publikum, erwartungsvoll auf Beans selbstbewußten, aufrechten Macbeth. Wir denken doch auch, dass er jetzt zum Nachfolger des Königs ernannt wird! Und
dann: "...Meine Freude ist Ja???!! Jetzt kommts, ganz bestimmt...zuversichtlich macht Macbeth einen Schritt nach vorne ... "...Malcolm,... ...unsern
Aeltesten,
...Ja
verdammt! Das Scheinwerferlicht, eben noch voll auf Macbeth gerichtet,
verläßt ihn, und scheint jetzt auf einen unauffälligen
jungen Mann. Macbeth steht vergessen im Schatten. |
| Tiefe Enttäuschung drückt sich in Herrn Beans Gesichtszügen aus. Seine ganze Haltung verändert sich subtil. | |
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Schwarze Enttäuschung.
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Kurze Zeit später wird Macbeth sich wieder soweit gefangen haben, dass er dem König und seinem Sohn mit Fassung begegnen kann. Doch sein unbefangenes Selbstvertrauen hat er verloren. Und wer wäre nicht enttäuscht in so einem Moment? Doch offenbar sehen bloß wir das. Der alte, nicht sehr weise König Duncan lädt sich prompt bei den Macbeths für die Nacht ein. Wie kann man nur so dumm sein? Nunja, Männer sind ja öfter arg unaufmerksam. Es scheint auch keine Lady Duncan zu geben, die ihm womöglich einen kleinen Tipp hätte geben können, das es nicht allzu gesundheitsförderlich ist, sich einem Mann anzuvertrauen, der einen anderen "...Vom Wirbel bis zum Kinn entzweigespaltet..."
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| rg/03.12.2002 | |
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