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Macbeth 17. bis 26. Oktober 2002 mit Sean Bean auf der Bühne in Milton Keynes Eine Fan-Kritik von Petra
"Macbeth" Sean Bean nach der Aufführung vom 19.10.02, fotografiert von Petra |
Am 19. Oktober 2002 flog ich nach England, um mir in Milton Keynes Sean Bean als Macbeth auf der Bühne anzusehen. Ich selbst bin bei weitem kein Shakespeare Experte, auch wenn ich seine Stücke schon immer bewundert habe. Auf der Bühne habe ich jedoch noch keines seiner Stücke gesehen. Um mir ein Bild von Macbeth zu machen, und um Sean's Bühnenauftritt bis ins Detail genießen zu können, las ich das Stück zur Vorbereitung einmal auf Deutsch (um die Geschichte zu verstehen) und einmal auf Englisch (um Shakespeare's wunderbare Worte zu genießen). Die Vorstellung war phantastisch!
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rg: An dieser Stelle eine kleine "Warnung": Im folgenden geht Petra sehr detailliert und wunderbar lebendig auf die Aufführung ein. Wer diese Macbeth-Aufführung noch sehen will, und vielleicht erst später die Details genießen will, sollte im Moment hier STOPPEN :-) |
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| „...When shall we three meet again, in thunder lightning or in rain?..." |
Es begann mit einem Donnerschlag, alle Lichter gingen aus - Stille. Dann erschienen wie aus dem Nichts die 3 (hübschen und jungen) Hexen, die um ein Feuer tanzten, und sangen. „When shall we three meet again, in thunder lightning or in rain?" Die Szene ging über in die Schlacht gegen die Norweger. Männer kämpften, Schwerter klirrten, und während die Schlacht im Hintergrund gewonnen wurde, löste sich eine bekannte Gestalt aus dem Getümmel und kam langsam zum Bühnenrand. Ich sah das erste Mal Sean Bean in Lebensgröße vor mir stehen! Welch eine Bühnenpräsenz! Er zog die Zuschauer sofort in seinen Bann. Was mich an dieser Vorstellung am meisten beeindruckt hat, waren die Emotionen, die die Schauspieler rüberbrachten. Das Stück zu lesen ist etwas völlig anderes, als zu sehen, was der Regisseur und die Darsteller daraus machen. Die Geschichte hat mich völlig in ihren Bann gezogen, und ich konnte nicht anders, als mit den Macbeths mitzufühlen. Die schauspielerischen Leistungen waren (meiner Ansicht nach) durchweg super. Neben Sean hat mir ganz besonders Samantha Bond als Lady Macbeth gefallen. Die Beziehung zwischen ihr und Macbeth war wundervoll leidenschaftlich interpretiert. Wie die beiden sich zu Beginn lieben, unterstützen, zueinanderhalten, um dann im Verlauf der Geschichte emotional immer weiter auseinander zu driften, ist herzzerreißend. Auch Banquo war genial. Besonders in der Bankett-Szene, wo er als Geist auftritt, und Macbeth ohne Worte mit anklagendem Blick anstarrt. Dieser Ausdruck! |
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...Zu
den Kostümen und Frisuren:
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Zu den Kostümen: sie waren zeitlos in militärischem Stil gehalten. (Cargo Pants, Uniformröcke aus Leder, Farben schwarz, oliv, braun) Das ist nicht jedermanns Sache, aber es passte meiner Ansicht nach gut zu der Produktion. Lady Macbeth hatte einige sehr schöne lange Kleider an, ganz besonders eines aus blauem fließendem Samt, oben eng geschnitten, das ihre Figur wunderbar betonte. Ihre Frisur war wunderschön, auch wenn es eine Perücke war, denn als ich sie am Bühnenausgang traf, hatte sie relativ kurze Haare. Und Sean's Frisur - da gab es ja jede Menge Diskussion im Vorfeld der Produktion. Er hatte einen extrem kurzen, militärischen Schnitt. Auf Fotos zugegebenermaßen nicht sehr vorteilhaft, ganz anders jedoch in der Realität. Die kurzen Haare passten sehr gut zu der Rolle, und wenn man seinen Ausdruck, die Mimik, die Augen sieht....oooohh, der Mann hat einfach Persönlichkeit und sieht in jeder Situation gut aus. |
| ...und Shakespeares Sprache. | Die Sprache: Es verblüfft mich immer wieder, wieviel Ausdruck allein aus der Stimme kommen kann. Und wie fließend und realitätsnah diese alten Shakespeare-Texte von den Darstellern gesprochen werden. Sean hatte zwar seinen natürlichen Akzent, der war aber bei weitem nicht so stark, wie wir ihn aus einigen seiner Filme kennen. Selbst mein englisch-ungeübtes Ohr konnte ihn sehr gut verstehen. Generell wurde sehr deutlich gesprochen. Auch wenn ich nicht allen Reden folgen konnte, habe ich doch meine liebsten Stellen aus dem Stück Wort für Wort erkannt. |
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Die Szenenwechsel waren schnell, fließend und zu keiner Zeit störend oder langweilig. Zurück zum Stück selbst, und was mir am besten gefallen hat: |
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| Nach der oben beschriebenen Eingangsszene: |
Lady Macbeth sitzt im schlichten Nachthemd auf dem Bett und liest den Brief ihres Mannes. Macbeth kommt in vollem Kampfdress nach Hause. Sie küssen sich heftig und während sie miteinander sprechen, wälzen sie sich leidenschaftlich auf dem Bett. (Mal ist er über ihr, dann sie über ihm.) Eine unglaublich erotische Szene (trotz voller Bekleidung), man spürt richtig die Liebe und das Verlangen der beiden. Diese Szene läßt einem beim weiteren Verlauf der Beziehung das Herz schwer werden. |
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„Is this a dagger which I see before me, the handle toward my hand? Come let me clutch thee:- ..."
„Go get some water ...Give me the daggers ...Get on your night-gown..." |
>Ich konnte mir beim Lesen absolut nicht vorstellen, wie diese Szene auf der Bühne aussehen könnte. Sie war genial! Sean mit einem imaginären Dolch, voller Schrecken vor sich selbst und seiner Tat, die er begehen wird. Kurz darauf: der Mord am König. Macbeth kommt mit blutigen Händen und Armen auf die Bühne - entsetzt, was er gerade getan hat. Lady Macbeth: dominant, eiskalt, berechnend „Go get some water ...Give me the daggers ...Get on your night-gown..."
Der Pförtner: Julian Glover, herrlich witzig. Ein unglaublicher Kontrast zur Szene vorher (der Mord) und nachher (Entdeckung des Mordes). Und dann kommt Sean auf die Bühne, scheinbar schlaftrunken, barfuß in Pyjama-Hosen und Morgenmantel. Köstlich! Später dann die Krönung von Macbeth. Ohne Worte, da von Shakespeare nicht beschrieben, und somit vom Regisseur Edward Hall frei erdacht. Eine unglaublich würdevolle Szene, musikalisch untermalt. Nach der Pause, Macbeth geht mit Lesebrille an seinem Schreibtisch den Staatsgeschäften nach. Ein perfekter, seriöser und würdevoller König. Man kann nicht glauben, dass er Minuten später den Mord an seinem besten Freund Banquo anordnen wird. |
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Die Bankett-Szene: Sean's Vorstellung war phantastisch. Die plötzlichen Stimmungswechsel sind ihm perfekt gelungen. Erst ist er der joviale Gastgeber, dann, als er Banquos Geist erkennt - der Schrecken, die Angst, der Wahnsinn in seinem Blick, seinem Gebahren. Unglaublich! Die Szene mit den Hexen Akt IV Szene 1 ist anders, als Shakespeare sie geschrieben hat. Der Text ist etwas gekürzt. Aber was Edward Hall sich da ausgedacht hat, ist phantastisch. Sean kommt auf die Bühne, barfuß, ohne Hemd, nur mit Hosen bekleidet. Da sind wohl einige Zuschauerinnen fast erstickt, um vor Freude nicht laut zu schreien. ;-) Macbeth fragt die Hexen nach weiteren Erklärungen zu ihrer Prophezeiung. Und sie fallen über ihn her, schlingen und winden sich um ihn, und küssen ihn, während sie ihren Text sagen. Eine unglaublich sinnlich-erotische Darstellung. Vom Text habe ich allerdings nicht allzuviel mitbekommen ;-) |
| „Out, damned spot! Out, I say!.... What, will these hands ne'er be clean?" |
Lady
Macbeth, wie sie langsam dem Wahnsinn verfällt. Nicht mehr stark
und dominant wie zu Beginn. Brillante Vorstellung von Samantha Bond. Und dann läuft alles schief für Macbeth. Er ist wütend, nachdem er so viel durchgemacht hat, geht nichts nach seinem Plan. Und auch die Prophezeiungen der Hexen erweisen sich als zweideutig. Seinen Frust und Zorn läßt er an seinen Dienern und Boten aus. Sean greift diese nicht nur mit Worten an, sondern packt und schüttelt sie auch auf der Bühne. Man bekommt richtig Angst vor seiner Wut. Und dann... |
| „Tomorrow and tomorrow and tomorrow .... Life's but a walking shadow; a poor player that struts and frets his hour upon the stage, and then is heard no more: it is a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing." |
Der Tod von Lady Macbeth. Er sitzt gebrochen auf seinem Thron, im Hintergrund der Bühne sind verteilt, die Menschen, denen er den Tod gebracht hat: Duncan, Banquo, Lady MacDuff und ihre beiden Söhne, die ihn alle anklagend beobachten. Geniale Szene.
Sean brachte diesen Monolog so voller Emotion. Man spürte, dass für ihn alles seinen Sinn verloren hatte. Macbeths Kampf gegen MacDuff: Beide hervorragende Schwertkämpfer. Es ist richtig spannend so etwas live auf der Bühne zu sehen. Man denkt die ganze Zeit: hoffentlich geht nichts schief, hoffentlich treffen sie richtig. Und dann Macbeths Tod: im Kampf, würdevoll, eine Erlösung. |
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"...Es war ein unglaubliches Erlebnis!" Petra |
Wow, diese Aufführung hat mich einfach umgehauen. Die Geschichte selbst hat mir schon gefallen, aber was da von der Bühne rüberkam, war einfach unglaublich! Auf meinem Heimflug am nächsten Tag habe ich Macbeth nochmals gelesen. Es war herrlich, Shakespeare's wunderbare Worte zu lesen, und dabei die Bilder der Aufführung wieder vor Augen zu haben. Und während ich las, konnte ich Sean's Stimme hören, wie sie die Worte sprach, so voller Kraft, Zweifel, Entsetzen, Wut, Trauer. Es war ein unglaubliches Erlebnis! Petra |
| "Macbeth" mit Sean Bean spielt ab 07. November 2002 im Albery Theatre im Londoner West End. | |
| Danke Petra! Dein Rückblick hoat mi packt und 'nimmer losg'lassen! | |
| zurück Macbeth - 1. Seite | rg/06.11.2002 |
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