Caravaggio

in ausgewählten Programmkinos bundesweit ab 07. September 2006

erscheint auf DVD (OmU) ab 26. September 2006

im Deutschen Fernsehen
14. Juni 2006/22.25 h - 3sat

 

 

 

English Version available

Das war, so ganz Bean-mäßig gesehen, ein anstrengender Sommer für mich. Erst kam die Sondervorführung von Sharpes Challenge in London, dann, während des Münchner Filmfests, ein Wiedersehen mit Stormy Monday im Kino! Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre (und vielleicht war es ja wirklich nicht genug für diesen laaaangen Sommer) entschieden die Filmgötter (oder eine kleine unternehmungsfreudige Filmfirma) plötzlich, das wir Caravaggio im Kino haben sollten! Ja. Derek Jarman, und ist dieses alte Großmütterchen Deutschland nicht eine gar liebliche Erscheinung, die man bewundern kann? (mal ganz abgesehen von Fußballweltmeisterschaften und ähnlichem) So gut zu uns, gibt sie uns ein Guti, ein köstliches Praliné in einer Verpackung von wunderbarer Klarheit.

Ich hatte diesen Film bisher nie gesehen, und wäre auch in die Spätvorstellung, die am Mittwoch, 13.09. um 22.30 Uhr lief, gegangen, obwohl das schon ziemlich heftig gewesen wäre, denn danach hätte ich noch eine Stunde heimfahren dürfen um am nächsten Morgen gleich wieder früh aufzustehen - Nicht wirklich sooo anheimelnd. Doch das Glück lächelte uns auch weiterhin, und im Kino war zu hören, das es noch zwei weitere Vorstellungen am Wochenende, jeweils um 17.15 Uhr geben würde. Das klang doch gleich viel prickelnder!

Der Film lief hier in München im Neuen Arena, einem kleinen Kino gleich um die Ecke. Die Vorführung war wirklich in Digitaltechnik, also mit sehr klarem Bild und erstaunlich viele Leute wollten ihn sehen, obwohl dies der erste Tag des Oktoberfests war und da eigentlich jeder Münchner auf der Wies'n sein muß! ...Jeder? Nein, eine Handvoll tapferer Kulturpartisanen leisteten mutig Widerstand - und verfielen dafür den magischen Kräften einer grandiosen visuellen Vision.

Richtig. Derek Jarman, britisch. Verfilmt das Leben von Caravaggio, Renaissance-Maler, italienisch. Schauspieler: britisch. Licht: überirdisch. Figuren: sehr irdisch.

 


Und plötzlich: Ranuccio - man schluckt - Sch.....eibenkleister, er KANN nicht so jung (!) so stark (!) so emotional (!) sein. Wir sehen ihn, wir wollen ihn. Wer hat den Film gemacht? Ja. Jarman. Der. ist. schwul. Zefix, niemand kann mir erzählen, ER wollte ihn nicht! Der Sean ist schön. Aber WIR wollen ihn.

Dann kommt Tilda Swinton, und erstaunlicherweise, obwohl sie ihn hat, will sie ihn nicht WIRKLICH. Und das ist irgendwie auch gut so, denn es gibt wirklich schon mehr als genug Leute, die ihn wollen.

...Ah ja, ...Schauspieler, der Ranuccio spielt: Sean Bean, jung (!) blond (!) schön (!) und gleichzeitig: gefährlich (!) hinterhältig (!) schmutzig (!) habgierig (!) und sooo ... verführerisch...

..von einem streng kulturellen und intellektuellen Standpunkt aus gesprochen, als ein Kritiker des Films (!) Es ist natürlich ein Jarman-Film. Man muß versuchen, den Film von seinem radikalen, einseitigen Blickwinkel aus zu sehen. Das ist nicht einfach, aber das ist es wert. Wenn man Caravaggios Gemälde ansieht, eines habe ich hier,
wird klar, dass wir es sind, die durch Jarmans Augen sehen, der durch Caravaggios Augen blickt. Das Licht. Das, was er malte. Wie dieser so unheilige Johannes der Täufer einen Schmollmund zieht... hah! Niemand kann mir erzählen, C. habe IHN nicht gewollt...

Und dann der Film, der eigentlich ein - oder viele - Gemälde ist/sind, plötzlich sind da Brecht'sche Verfremdungen, als ob man eine Barriere gegen diesen Strom der Bilder errichten müsse. Man ertrinkt schier im Licht und Schatten, den Kompositionen, den Gesichtern und plötzlich ertönt das Geräusch einer klappernden Schreibmaschine und der Bann ist für kurze Zeit gebrochen, der Verstand beginnt wieder zu arbeiten und man kann vom eben gesehenen ein wenig Abstand gewinnen...

Gedanken: Caravaggio sieht kein bischen glücklich aus bei seiner Malerei. Es scheint mehr, als ob er daran leidet, wie an einer verzehrenden Krankheit, der man nicht entrinnen kann. Er betrachtet seine Modelle, als ob er ihre Seele wolle, weil er sie aus irgendeinem nicht verstandenen Grund auf die Leinwand bannen MÜSSE. Und Jarman scheint auch so zu sein. Offenbar MUSS er Filme erschaffen, eine Vision auf die Leinwand bringen, aber als Abbild wirklicher, echter Menschen, deren tiefstes Inneres er einfangen will... Und das ist gleichzeitig fürchterlich für ihn, und er haßt, was er tut, denn da ist die schreckliche Angst, dass er durch gerade diesen Prozess das zerstört, was er um jeden Preis festhalten will, so wie Caravaggio am Ende Ranuccio umbringt und danach nur noch der Schmerz bleibt...

Ja, danach scheint die Realität ein wenig blaß, aber es ist immer noch Sommer, und das Leben IST schön ;-)

Viele Gruesse aus Muenchen
rg, 26. September 2006

Infos zur DVD (erscheint nur in Deutschland)

Darsteller: Sean Bean, Tilda Swinton, Garry Cooper, Terry Nigel
Regisseur: Derek Jarman
Sprache: Englisch (OmU)
Bildseitenformat: 16:9
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Salzgeber & Co. Medien GmbH
DVD-Erscheinungstermin: 26. September 2006
Spieldauer: 93 Minuten
DVD Features: Interviews mit Tilda Swinton, ..., Special Feature Vortrag von Prof. Dr. Klaus Krüger, dazwischen Bildern und Szenen des Films
ASIN: B000ION3J8

kann direkt hier bestellt werden: www.salzgeber.de : 22,90 Euro
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Salzgeber liefert weltweit, bei Fragen kann man ein e-mail senden an: video@salzgeber.de

 

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Amazon liefert auch weltweit, Versandkosten hängen ab vom Empfängerland, Großbritannien z. B. ca. 5 - 6 Euro, USA ca. 13 - 14 Euro.

 

und bei Fragen könnt ihr natürlich auch eine email an mich senden ;-)

 

 

Infos wie immer bei Winona Kents Website (in englisch) www.compleatseanbean.com/caravag.html

Bildherkünfte: Hintergrundbild: www.zeitgeistfilms.com Bild 1 + 2: www.delicatessen.org , Schwesterseite von www.salzgeber.de , www.derek-jarman.de und www.klassik-im-kino.de
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